Mittwoch, 23. April 2014

Religion im Videospiel

Auf Anfrage, wie denn meine Meinung dazu aussähe, möchte ich mich [hoffentlich] kurz zu äußern. Vorweg sei gesagt, dass ich meine persönliche Einstellung zu Religion von Gamedesign völlig trenne. Ich bin Atheist, ich bin so aufgewachsen, ich sehe keinen Grund an einen Gott zu glauben. Genauso sind Gläubige mit der Lehre über ihren spezifischen Gott aufgewachsen. Ergo, keine Grundlage um irgendwem aufs Dach zu steigen.

Wenn wir uns ein wenig zurückerinnern, an einige alte Spiele, sollte die Verbreitung von Religion auffallen. Kirchen sind ziemlich verbreitet, Priester erfüllen einen spielerischen Zweck - man kann auch gerne sagen, dass hier mit Klischees oder Erwartungen herumgespielt wird: Sie befreien den Helden von Flüchen oder heilen ihn komplett. Eine Relation zur Realität muss hierbei nicht existieren, denn jedes Videospiel besitzt sein eigenes Worldbuilding. Mal spielt Religion eine Rolle, manchmal nicht.

Doch in Rollenspielen auf Religion zu stoßen, sollte nicht überraschen, egal in welcher Zeitepoche das Setting auch stattfinden mag. Im mittelalterlichen Setting ließe sich grundlegend damit argumentieren, dass die Leute es halt nicht besser wussten und einen Gott ins Spiel bringen. Oder im Setting existieren tatsächlich Götter oder Gott-ähnliche Kreaturen, was die Lobpreisung erst rechtfertigt. Egal was auch immer der Fall ist und woran man auch immer glaubt, muss man doch zugeben, dass der Glaube an das "Höhere" ein wichtiger Teil unserer Geschichte war und anscheinend noch immer ist, was verschiedene Gründe haben mag.

Und genauso können dutzende Gründe existieren, wieso die Menschheit im Spiel XY einen (oder mehrere) spezifische Götter verehrt. Und selbst im gewählten Setting, müssen nicht alle handelnden Figuren diese Meinung teilen, sehen Variationen in der Auffassung, halten den eingeschlagenen Weg für eine Gefahr, können damit schlichtweg nichts anfangen oder haben vielleicht sogar noch nie etwas davon gehört. Denn am Ende sollte man ja doch versuchen ein halbwegs glaubwürdiges Weltbild aufzubauen, wozu schlichtweg auch bekannte Eigenheiten unserer Realität gehören.

Und wenn jemand das Thema Religion, in seinem Spiel, spezifizieren möchte und eine Moral darbringen will? Ich denke damit sollte man vorsichtig hantieren und die Auffassung nicht direkt ins Gesicht drücken. Nicht, damit keine Kontroversen entstehen, nein nein. Sondern, weil Holzhammer-Botschaften unfassbare Spaßkiller sind und Games sehr schnell so erscheinen können, als wären sie nur für diese Botschaft erstellt worden. Und man muss auch nicht jeden potentiellen Spieler, egal ob Atheist oder Theist, mit dem Prügel abschrecken.

In meinem Nebenprojekt behandel ich das Thema Religion und wie gehe ich das an? Nunja, da müsste ich mir noch weiterführende Gedanken machen, da ich noch irgendwo in der anfänglichen Worldbuilding-Phase bin. Eine wichtige Rolle wird es spielen, ja. Und wahrscheinlich wird es auch ein paar unschöne Parallelen geben. Aber hey, ich bereite hier auch nur eine Geschichte auf, wie ich mir denke, dass sie in diesem Setting hätte passieren können. Es ist nicht mal die Erde, der Himmel ist ein völlig Anderer, die Gründe um an einen Gott zu glauben, ist ein völlig Anderer. Im besagten Setting, ist der Glaube an eine höhere Existenz, aufgrund ganz bestimmter Erwartungen, sogar etwas Positives. Bis es jemand übertreibt.

Das waren meine heutigen Gedanken.

[MG]

Kommentare:

  1. True, ich muss sagen, dass ich jeden deiner Blog Einträge komplett lese und sehr beeindruckt bin, wie viel Mühe du dir gibst. Man merkt auch, dass du dein gesamtes Herzblut in deine eigenen Spiele steckst. Das empfinde ich als sehr schön, da heutzutage Videospiele meistens nur noch als Mittel zum Geldverdienen oder, wie in der RPGM Szene zum Bekanntheit erlangen benutzt werden.
    Mach unbedingt weiter so.
    Lg

    AntwortenLöschen
  2. Guter Beitrag, kann ich so unterschreiben.

    Wichtig ist bei dieser Thematik (wie sonst auch), dass man gründlich und gewissenhaft recherchiert und nicht irgendwelche Glaubenselemente (besonders wenn man real existierende einbaut/zum Vorbild nimmt) wild durcheinander würfelt.

    Ein anderer Aspekt, der mir bei der Religionsfrage auch immer ins Auge sticht, sind diese mythologischen Vorgeschichten in (RPG-Maker-)Spielen, die natürlich nett klingen, aber in den seltensten Fällen am Ende die Story bereichern, weil sie nämlich Wort für Wort als Fakt in der Handlung eine Rolle spielen.
    Das Problem dabei ist, dass Götterfiguren in der Mythologie oft ziemlich absurde Sachen machen, die sie stellenweise wie ziemliche Vollhorste wirken lassen. Allerdings ist der Punkt vieler Mythen, Sagen und Legenden gewesen, irgendwelche Lehren/Weisheiten durch fantastische Geschichten zu erklären und/oder zu umschreiben. Dementsprechend gibt es da auch eine Art Interpretationsebene, die man nicht außer Acht lassen sollte.

    Man kann das Problem mMn aber wie folgt lösen:
    1.) Man gestaltet diese mythischen Vorgänge so, dass sie nicht zu abstruse und nicht nachzuvollziehende Handlungen der Götter beinhalten (nach dem Prinzip, "Götter sind auch nur Menschen"). So kann das ganze dann auch als "reale Geschichte" der Spielewelt gelten, ohne das man sich fragen muss, wie der Schöpfergott z.B. sich überhaupt die Schuhe zubinden kann, wenn er für seinen restlichen Job zu inkompetent ist. ;)
    2.) Man fügt - wie oben angemerkt - einen "wahren Kern" zu diesen mythischen Geschichten hinzu, der vlt. erst im Laufe der Handlung offenbart wird oder sich zwischen den Zeilen ergibt.
    Wenn es z.B. eine Geschichte über die von Gott gesandte Sintflut gibt und man später ein Wasserungeheuer erschlägt, das anscheinend seit Urzeiten Überflutungen verursacht, kann man da ja auch eigene Verbindungen ziehen. ;)
    Inwieweit sowas dann das Hauptaugenmerk der Erzählung sein soll, hängt dann wieder von der Geschichte ab.

    Das wäre meine Anmerkung dazu.

    MfG Sorata

    AntwortenLöschen
  3. Für mich ist das Hauptproblem mit Religion in Spielen, das sich die komplette Kontroverse um ebendiese in Rauch auflöst sobald mindestens ein nachweislich existierender Gott vorhanden ist.
    Ab diesem Moment gibt es keinen Grund mehr nicht an diesen Gott zu glauben und jegliche Spannung darüber ob die Anarchisten, Sektenmitglieder oder Paktierer mit Dämonen vielleicht doch im Recht sind, ist pas­sé.
    Die bösen sind dann wieder nur böse weil es cool ist ein Hipster zu sein oder so.
    Religion ist ein Thema für das man viel Fingerspitzengefühl braucht und noch mehr Einfühlungsvermögen und ein großer Fundus an Geschichtswissen kann sicherlich auch nicht schaden.
    Aber ich glaube gerade deshalb ist es so interessant sich eingehender damit zu beschäftigen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Seikre, wieso sollten plötzlich alle mit dem Gott einverstanden sein, ihn unterstützen, ihn anbeten, nur weil es physisch existiert? Um Gegenteil, das könnte die ganze "Kontroverse" noch schlimmer machen. z.B. macht es böse Götter nicht weniger böse und abstoßend, sondern erst Recht Wert zu bekämpfen. Ich sehe das besagte "Fingerspitzengefühl" in deinem Post leider nicht.

      Ich wollte das hier mal niederschreiben, damit Leser nicht den Eindruck bekommen, mein Artikel würde derartige Aussagen unterstützen.

      Löschen
    2. Ich finde aber, Seikre hat insofern Recht, als dass der "Mein imaginärer großer Freund ist cooler als deiner!"-Wettstreit durch die physische Existenz eines Gottes etwas an Kontroverse einbüßt.

      Allerdings kann man das je nach verwendeten Pantheon (oft sind die physisch existenten Götter ja sogesehen nur "niedere Götter", während die Schöpfergottheiten sich in Mexiko den Bauch sonnen) auch noch thematisieren.

      Wie du richtig ansprichst, ergeben sich durch das Setup aber durchaus auch andere interessante Konflikte, die viel Raum für unterschiedliche Themen und Anspruch lassen.
      Wenn man z.B. annimmt, dass der Gott durch seine physische Hülle an die Grundsätze der Welt gebunden ist, wie bewerkstelligt er dann die Allwissenheit, Allgegenwärtig und Allmächtigkeit? Da lassen sich dann auch prima sozialkritischere Fragen einflechten. :)

      Löschen
    3. Zugegeben ein Böser Gött wird dadurch nicht weniger böse, aber es gibt einfach keinen Grund ihn anzubeten. Zumindest den 08/15 ich bin böse, weil ich bin der Gott des Todes Gott.
      Warum sollte ich einem Gott dienen der nichts anderes will als meinen Tod? Man könnte argumentieren das Gebete versuchen in zu beschwichtigen und dazu Opfer oder so, aber sonst?
      Warum sollte sich jemand auf seine Seite stellen?
      Außer direkt von ihm beschworene Diener wie Untote, Dämonen und Wesen aus einer anderen Dimension fällt mir gerade wirklich nichts ein. Gerade wenn es im Gegensatz dazu einen "guten" Gott des Lebens und der Güte und ganz viel anderem schnulzigem Kram gibt.
      Auch ist Atheismus in so einem Szenario völlig undenkbar.
      Ich weigere mich an einen Gott zu glauben obwohl er gerade vor meinen Augen einen Berg gesprengt hat?
      Und wie will ich bitte einen Gott bekämpfen? Ein Gott ist nach allgemeiner theologischer Meinung omnipotent und omnipräsent.
      Sobald der mitbekommt was man vorhat (was augenblicklich geschehen sollte) ist man schon aus seiner Abschussliste und damit tot.
      Ich will jetzt nicht andeuten das es unmöglich ist daraus eine Geschichte zu gestalten, bei weitem nicht.
      Ich meine das man sich gut überlegen sollte was ein Gott kann und wofür er steht.

      Löschen
    4. Das ist weniger problematisch. Man muss nur das Worldbuilding und die Regeln und Definitionen, die man selbst aufstellt, dem Spieler klar machen.

      Z.B. bekämpft man nicht einen omnipotenten Gott, sondern nur seinen Avatar in dieser Welt o.Ä. (der wiederum übermenschliche, aber klare Grenzen hat)

      Atheismus müsste man hierbei auch etwas neudefinieren: Es geht dann halt nicht um das "Nicht-Glauben", sondern um die Ablehnung der Autorität eines Gottes über das eigene Leben o.Ä.

      Die "Böser-Gott"-Nummer läuft doch meist über das Schema der Verführung: Versprich den Leuten alles mögliche (auf dem herkömmlichen Wege nicht erreichbare) und sie machen bei dir mit und werden idealerweise auch weiterhin mitmachen, entweder aus Sucht oder zu großer Angst vor Konsequenzen. Ein böser Gott des Todes wird schon eine notwendige PR-Kampagne am Laufen haben, um Leute zu überzeugen. Oder er ist für einen bestimmten Personenkreis einfach die einzige - wenn auch durch und durch verdorbene - Option, um zu bekommen, was sie möchten.

      Es ist alles weit weniger problematisch, als du es dir jetzt gerade ausmalst. ^^

      Löschen
  4. Leute, ganz ehrlich. Diese "Was wäre wenn Szenario X Eintritt"-Diskussion ist sinnlos und ich wünsche das nicht unter meinem Blog. Der Blog ist kein Diskussionsforum, sondern dient dazu MEINE Gedanken loszuwerden. Und wenn ich dann noch Sätze lese, die nichts mit der Realität zu tun haben (ich werde darauf nicht näher eingehen), fliegt mir die Hutschnur hoch.

    Kommentare werden ab sofort deaktiviert. Ich habe den Blog nicht erstellt, um RPG-Atelier 2.0 ins Leben zu rufen.

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.